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Chintz. Zwischen Handwerkskunst und Kontroverse

Detail einer Jacke aus Chintz, 1750-1800

Welche Geschichte kann ein Textil erzählen? MoMu untersucht die Geschichte des Chintz und zeigt, wie textile Praktiken soziale, kulturelle und historische Bedeutungen weitergeben.

Practical information

Description of the exhibition

Ausgehend von den Archiven und der historischen Textilsammlung des MoMu untersucht die Ausstellung die Geschichte des Chintz: handbemalte und bedruckte Baumwolltextilien aus Indien. Sie zeigt, wie textile Praktiken soziale, kulturelle und historische Bedeutungen über Generationen hinweg weitergeben.

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Chintz blickt auf eine komplexe Geschichte zurück, die von künstlerischem Austausch und kolonialen Verflechtungen geprägt ist. Seine Ursprünge liegen in der indischen Kalamkari-Technik, bei der Textilien mit natürlichen Farbstoffen von Hand bemalt wurden, um religiöse Szenen für Hausaltäre und Tempel darzustellen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesem anspruchsvollen Handwerk eine Textilkultur mit großformatigen Blumen- und Pflanzenmotiven, die vor allem als Dekorations- und Einrichtungstextilien Verwendung fand. Chintz war ursprünglich Teil einer umfassenden Textilkultur, die von lokalem Handwerkswissen, einer eigenen Bildsprache, Handelsnetzwerken und regionalen Gestaltungstraditionen geprägt wurde.

Kraplap aus handbemaltem Chintz, 1750-80
Sammlung MoMu inv. T13/85/A244, Foto: Stany Dederen

In den vergangenen Jahrzehnten hat dieses jahrhundertealte Handwerk in Indien eine Renaissance erlebt. Die Muster und die charakteristische Farbpalette faszinieren bis heute. Für diese Ausstellung entwarf die indische Textildesignerin und Forscherin Meera Curam zwei neue Muster, inspiriert von historischen Chintztextilien aus der MoMu-Sammlung. Anschließend wurden sie von Kunsthandwerker:innen an der Koromandelküste mit traditionellen Techniken umgesetzt.

Kleid aus handbemaltem Chintz, 1750-80
Sammlung MoMu inv. T12/42/J13, Foto: Stany Dederen

Chintz vereint unterschiedliche Identitäten in sich: eine indische Handwerkstradition, ein koloniales Handelsprodukt, ein modisches Material Europas und ein Ausdruck sozialer Identität, geprägt durch globale Austauschprozesse. Daraus ergibt sich bis heute eine grundlegende Frage: Wem gehört Chintz eigentlich, und welche Geschichten und Identitäten sind mit ihm verwoben?

Am Projekt beteiligte Personen
Gastkuratorin: Meera Curam
Kurator MoMu: Wim Mertens
Grafische Gestaltung: Jelle Jespers

Kampagebild: Jacke aus handbemaltem Chintz, 1750-1800, Sammlung MoMu inv. T13/1533/B126, Foto: Stany Dederen