Margiela, die Hermès-Jahre 31.03.17 > 27.08.17

Richtungsweisende Dekonstruktion und zeitloser Luxus – zugleich die beiden Welten des belgischen Designers Martin Margiela – bilden die Grundlage für die Frühjahrsausstellung 2017 im ModeMuseum von Antwerpen. Als Martin Margiela im Oktober 1997 Chefdesigner für die Damenmode des französischen Modehauses Hermès wird, gilt er mit seinem eigenen Modehaus Maison Martin Margiela schon fast ein Jahrzehnt lang als einer der einflussreichsten avantgardistischen Designer. Seine Vorlieben für Dekonstruktion, Recycling und Wiederverwertung von Materialien gelten seinerzeit als spektakulär in der Modewelt. Der konzeptuelle Ansatz bei Präsentation, Verkauf und Kommunikation seiner Kollektionen hat unsere Ansichten über Mode und das System dahinter – sowie unsere Sicht von Handwerk, Handel, Urheberschaft und Innovation für immer verändert.

Als Jean-Louis Dumas, der damalige CEO von Hermès, Margiela Ende der 1990er Jahre für seine Damenmode ins Unternehmen holt, stellt sich das als eine sehr gewagte Entscheidung heraus, die nicht den Entwicklungen der damaligen Modelandschaft entsprach. Zu dem Zeitpunkt gelingt es einer Gruppe wie LVMH, verschiedene führende Designer an sich zu binden, um in den traditionellen französischen Modehäusern für frischen Wind zu sorgen. So beginnt Marc Jacobs in derselben Saison bei Louis Vuitton. John Galliano verbindet man mit Christian Dior, und Michael Kors verpflichtet sich für Céline. Dass sich Hermès, das Paradestück des französischen Luxus, für Margiela entscheidet einen Ikonoklasten, der sich ganz bewusst für die absolute Anonymität entscheidet, und noch kein einziges Interview gegeben hat, stößt auf Verwunderung. Die Modepresse spekuliert in allen Tönen, ob Margiela seine Dekonstruktion auch auf das Hermès-Patrimonium überträgt.

Zwischen 1997 und 2003 bringt Margiela für Hermès seine umfassende und konsequente Sicht des heutigen Luxus in zwölf aufeinanderfolgenden Kollektionen zum Ausdruck. Die Hermès-Frau macht, seiner Ansicht nach, die Betonung auf Komfort, Zeitlosigkeit und Haptik im Einklang mit einem destillierten Design aus. Mit dem Bild, das er für Hermès schafft, bringt er die Fachpresse zum Staunen, dennoch anders als erwartet. Seine schlichte und monochrome Farbpalette unterscheidet sich von den für Hermès typischen, farbenfrohen Drucken. Unterstützt durch die überragende Fachkompetenz der Hermès-Ateliers gelingt es ihm, seine Designs und Schnitte zu perfektionieren. Dem geht auch eine umfassende Materialprüfung voraus, dank derer nicht nur der Tragekomfort gesteigert wird, sondern auch zahlreiche Innovationen eingeführt werden.

Vom 31. März bis zum 27. August 2017 stellt das MoMu erstmals die von Martin Margiela entworfenen Hermès Kollektionen aus. Zudem werden auch Zusammenhänge mit seinem eigenen Label Maison Martin Margiela hergestellt. Bis heute ist der Einfluss seiner Arbeit für Hermès in der Arbeit zahlreicher heutiger Designer zu spüren. Obwohl Martin Margiela seit über acht Jahren nicht mehr in der Modewelt aktiv ist, wurde er auf der Pariser Modewoche für die Herbst-/Winterkollektion 2016/2017 von der internationalen Fachpresse als eigentlicher Protagonist der französischen Modewoche bezeichnet. Also höchste Zeit, ihm im MoMu eine Ausstellung zu widmen!

 

© HERMÈS Herbst/Winter 1998 Bild der Werbekampagne überstreicht von Martin Margiela (Cape Cod Uhrwerk entworfen von Henri d’Origny und Double Tour Armband von Martin Margiela) - foto Thierry Le Goues - grafik Jelle Jespers