Rik Wouters & Die Private Utopie 17.9.16 > 26.2.17

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Thema „Häusliches Glück“ in der Bilderwelt des Malers Rik Wouters, die Darstellung der intimen Atmosphäre von Geborgenheit, die zwischen ihm und seiner Frau Nel herrschte. In unseren Regionen war Wouters der Einzige, der Maltechniken des Postimpressionismus mit schlichten Familienszenen kombinierte. Seine expressive Pinselführung und der unfertige Stil seiner Gemälde verleihen seinem Werk eine Dynamik, die im Zusammenspiel mit der Akzentuierung des einfallenden Lichts und den Farben einen bezaubernden und optimistischen Ton ergeben. In Wouters‘ Leben gab es mancherlei Probleme, doch in seinem Werk dominieren die harmonische und positive Seite des Lebens. Seine Liebe zu Nel war eine wichtige Motivation für seine Arbeit. Ihre Lebensfreude und ihre Energie inspirierten ihn zu zahlreichen bekannten Gemälden und Skulpturen.

Die gegenwärtige Bewegung, bei der der Mensch sich wieder auf die Suche nach häuslicher Geborgenheit und natürlicher Umgebung macht, die Slow-Bewegung sowie die neu entfachte Aufmerksamkeit für Handwerkstechniken wie beispielsweise die Herstellung von Keramik, das Weben und Färben werden in der Ausstellung mit dem utopischen Gedankengut von Henry David Thoreau’s Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ verknüpft. Dieses Werk erschien 1854 im amerikanischen Original. Darin stellt der Autor einen nicht-industriellen, natürlichen Lebensstil als Alternative zur überreizten Konsumgesellschaft vor. Eine ähnliche Abwendung von der bürgerlichen Kunst und eine Hinwendung zu mehr Innerlichkeit und zur Schönheit der Natur, wobei der Schwerpunkt auf dem Lichteinfall lag, erkennen wir auch in der Malerei Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen des Impressionismus.

Der Themenbereich Schutz und Geborgenheit findet sich heute sowohl bei Konzeptkünstlern als auch bei Angewandter Kunst (Mode, Einrichtung und Design), wobei sich diese Welten in der utopischen Suche nach dem Wesen des harmonischen Lebens überschneiden: Was braucht der Mensch zu seinem Glück? Diese Suche drückt sich in einer Vorliebe zur Selbsthilfe, der Arbeit mit purem Material und handwerklichen Techniken aus.

Mehrere belgische Modedesigner — u. a. Dirk Van Saene, Bruno Pieters, Christian Wijnants, Walter Van Beirendonck, Ann Demeulemeester, Dries Van Noten, Veronique Branquinho, Martin Margiela, Jan-Jan Van Essche und Anne Kurris — verleihen diesen Gedanken auf jeweils ganz eigene Art und Weise ihren Ausdruck: Die einen verwenden dazu bestimmte Stoffe und Techniken, die anderen nutzen ihre besondere Stellung in der Mode, wobei dem gehetzten Rhythmus der Modewelt bewusst keine Zugeständnisse gemacht werden. Mit zeitgenössischen Künstler BLESS, Atelier E.B., Berlinde De Bruyckere und Ben Sledsens.

Diese Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem MoMu –ModeMuseum der Provinz Antwerpen und dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen und wird anlässlich des 2016 begangenen 100. Todestages des Malers Rik Wouters veranstaltet. Die Ausstellung zeigt Werke von Rik Wouters aus der KMSKA-Sammlung zusammen mit Werken zeitgenössischer Künstler und Modedesigner.

©Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen, Concept: Dirk Van Saene, Foto: Ronald Stoops. Title Rik Wouters, Lezende vrouw, 1913, olieverf op doek

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