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Geschichte

Kollektiver Kleiderschrank

Das „Textiel- en Kostuummuseum“ (Textil- und Kostümmuseum) bemühte sich bereits seit 1977 um eine interessante und zusammenhängende Sammlung, indem es sich beim Ankauf auf Stücke konzentrierte, die eine Verbindung zu unserer Kultur haben. Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung ständig durch Erwerbungen, Leihgaben und Schenkungen. Bei vielen Schenkungen handelt es sich um Spezialsammlungen, die vor allem Bedeutung für wissenschaftliche und historische Untersuchungen haben, wie die Sammlung von Druckblöcken für das Bedrucken von Stoff, die Sammlung von Schnittmustern des Hauses Valens, die Sammlung mit Stickmustertüchern und die Bibliothek von Hélène Braun, die von den 30er Jahren bis in die 50er Jahre Untersuchungen im Bereich der traditionellen Kleidung und des Handwebens in Europa durchführte. Außerdem umfasst die Sammlung auch eine umfangreiche Sammlung von modischer Damen- und Herrenbekleidung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert (von Kleidern bis hin zu Hüten, Mützen, Fantasieschmuck, Schals und feiner Wäsche), Trachten aus den Antwerpener Kempen, Spitze (Klöppel- und Nadelspitze), Borten, kirchlichen Textilien u. v. m. Der besondere flämische Aspekt der Herstellenden, der Träger oder der Sammler macht diese Sammlung einzigartig. Die Lager des Museums könnte man also in gewisser Weise als kollektiven Kleiderschrank unserer Gesellschaft betrachten, in dem fünf Jahrhunderte Erinnerung - sowohl des Großbürgertums wie des gewöhnlichen Volkes - aufbewahrt werden. 

In die Breite und in die Tiefe

Gesammelt wird sowohl in die Breite wie in die Tiefe. Sammeln in der Breite ist erforderlich, um in einem historischen ebenso wie in einem modernen Kontext repräsentative Stücke zu erwerben, durch die allgemeine Entwicklungen über lange Zeiträume nachgezeichnet werden können. In den letzten Jahren war die Sammelaktivität immer mehr darauf ausgerichtet, die Lücken in der allgemeinen Modegeschichte auszufüllen. Aber auch das Sammeln in die Tiefe - für einen Gegenstand oder ein Thema eine umfassende Sammlung zusammenzutragen - ist eine wertvolle Option. Die Spitzensammlung ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Mit ungefähr 1200 Stücken (Borten, Accessoires und kirchlichen Objekten aus belgischer, französischer, italienischer und englischer Spitze) und einer guten Unterstützung durch Archivdokumente ist die Spitzensammlung eine der wichtigsten in Belgien. 

Belgische Vorreiter

Die aktuellen belgischen Designer bilden ein besonderes Kapitel, das erst vor kurzem der Sammlung angefügt wurde. Heute spielen die Vorreiter der 80er Jahre, die Flandern plötzlich auf der internationalen Modeszene bekannt machten, eine rundum wichtige Rolle: Dries Van Noten, Martin Margiela, Walter Van Beirendonck, Ann Demeulemeester, Dirk Bikkembergs und Dirk Van Saene. Aber auch die Kreationen der jüngeren Modeschöpfergeneration, zu der Lieve Van Gorp, Raf Simons, Véronique Branquinho, Jurgi Persoons, Patrick Van Ommeslaeghe, A. F. Vandevorst, Stephan Schneider, Bernhard Willhelm, Wim Neels und Angelo Figus gehören, werden archiviert, untersucht und präsentiert werden. 

Optimale Bestandsaufnahme

Dass diese Sammlung unter optimalen Bedingungen aufbewahrt werden muss, versteht sich von selbst. Im Hinblick auf eine perfekte Bestandsaufnahme wurde ein großer Teil der Sammlung digital fotografiert. Die vollständige Sammlung wird gleichzeitig auf dem sogenannten Museum System registriert werden, damit sie in Text und Bild dem Publikum im Lesesaal ebenso zur Verfügung gestellt werden kann wie Partnern, Designern, Mitarbeitern und auch über das Internet zugänglich gemacht werden kann. Die Sammlung wird ebenfalls gründlich kontrolliert und in neuen Aufbewahrungssystemen gelagert. Eine vollständige Restaurierung ist geplant.