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Propaganda
MoMu-Galerie
15. November 2005 – 5. Februar 2006
Die Ausstellung „Propaganda. Een Belgische geschiedenis“ präsentiert eine Auswahl an Propagandatextilien aus dem MoMu-Archiv.
Die Auswahl erfolgte anlässlich der Ausstellung Katharina Prospekt, in der Propaganda eine wichtige Rolle spielte. Auch das Jubiläum „175 Jahre Belgien“ war ausschlaggebend für die zeitlich begrenzte Ausstellung rundum Propagandatextilien.
Die Geschichte beginnt 1813 als Europa Kriegsschauplatz der französischen Armee einerseits und der Allianz der Engländer, Deutschen und Russen andererseits war. Große Taschentücher aus bedruckter Baumwolle waren das perfekte Mittel, politische Nachrichten zu verbreiten. Das Taschentuch „The Stage of Europe“ gab die englische Anschauung des europäischen Kriegsschauplatzes, auf dem Waterloo eine entscheidende Rolle spielte, wider.
1830 wurde Belgien unabhängig. Patriotische Gefühle der Bevölkerung kamen unter anderem durch Sticken von Übungslappen und Accessoires in den Farben der belgischen Fahne zum Ausdruck.
Schon bei ihrer Hochzeit nimmt die Popularität von König Albert I und Königin Elisabeth ihren Lauf. Bedruckte Taschentücher mit den Porträts des Fürstenpaares fanden als Andenken reißenden Absatz. Während des ersten Weltkriegs erlangte das Paar weltweite Anerkennung und Zuneigung. Propaganda erlebt einen neuen Aufschwung. In allen alliierten Staaten werden im großen Umfang Taschentücher mit Kriegsthemen auf den Markt gebracht und begierig gekauft. Dank der Unterstützung amerikanischer Organisationen erlebt die belgische Spitzenindustrie einen neuen Aufschwung. Sogenannte „war lace“ (Kriegsspitze) mit patriotischen Themen wurde im großen Umfang hergestellt und verkauft. Spitze, die durch belgische Flüchtlinge in den Niederlanden hergestellt worden war, wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil. Die Amerikanische Lebensmittelhilfe für Belgien führte zu einer besonderen Form der Propaganda. Die Belgier, denen amerikanisches Mehl gegeben wurde, benutzten diese Baumwollsäcke, in denen die Hilfe verpackt war, um auf ihnen Stickereien zu fertigen, mit denen die Vaterlandsliebe zum Ausdruck kam. Die Säcke blieben entweder intakt oder sie wurden zu Läufern oder Kissen verarbeitet. In Antwerpen treffen sich während der Kriegsjahre hunderte Frauen, die im Hippodrom Mehlsäcke besticken und verkaufen.
Nach dem Krieg kommt ein Vorhang mit dem Porträt von König Albert I aus maschinell gefertigter Spitze auf den Markt . Während des ersten Weltkriegs schwebt die Propaganda zwischen Volkskunst und Handel.
Während des zweiten Weltkriegs werden weitaus weniger Textilien gefertigt, auf denen Zeichen von Vaterlandsliebe erscheinen. Dennoch tauchen belgische Kokarden und Schleifen auf Kleidungsstücken auf und ein einziges Mal wird die Befreiung Thema einer Spitzenarbeit.
1958 bringt die Weltausstellung eine ganze Andenkenproduktion in Schwung. Tischdecken und Taschentücher spielen hier die Hauptrolle. Firmen bringen Taschentücher mit dem Expo-58 Thema auf den Markt. Einige werden zusammen mit einem Briefumschlag verkauft, damit sie als Geschenk verschickt werden können. Das Publikum findet offensichtlich Geschmack an Schals mit Abbildungen belgischer Städte oder mit einem Plan der Expo.
Nach 1958 gibt es kein einziges belgisches Ereignis mehr, das ausreicht, die Phantasie der nationalen Andenkenproduktion in Gang zu setzen.
