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Muster

MoMu-Themenausstellung

Ausstellungsplakat Ausstellungsplakat „Patronen“

24. April 2003 – 10. August 2003

Das Schnittmuster gilt traditionell als technische Zeichnung. In einem Museumskontext ist ein Schnittmuster daher nur interessant zu Forschungszwecken. Sowohl in ihrer Ankaufs- als auch Ausstellungspolitik sind die Modemuseen hauptsächlich auf das Endprodukt d.h. „das Kleidungsstück“ fokussiert, sodass Schnittmuster nur äußerst selten gezeigt, geschweige denn erworben oder angekauft werden.
Technisch gesehen ist das Schnittmuster der zweidimensionale Übergang zwischen dem dreidimensionalen Körper einerseits und dem letztendlichen Kleidungsstück andererseits. Jedes Schnittmuster trägt ein mögliches Kleidungsstück in sich und indirekt also einen möglichen Körper und ist trotzdem keine Darstellung eines Körpers. Mehr noch, jedes Schnittmuster beinhaltet eine zu verwirklichende Fantasie und Realität.
Beim Versuch so nah wie möglich an die Illusion eines Körpers heranzukommen, setzen Modemuseen Schaufensterpuppen ein. Gleichzeitig kreiert das Museum eine derartig künstliche Präsentationsform, die bestenfalls andeutet was Mode ist und sein kann. Auch das MoMu setzt zur Präsentation seiner Kleidung Büsten und Puppen ein, möchte aber auch überprüfen, ob der Körper auf eine andere Art und Weise eingebracht werden könnte. Das Schnittmuster kann dann auch wie eine Art „Disziplinierung“ gelesen werden: Eine Disziplinierung des Körpers in seiner Unvollkommenheit (ein Schnittmuster muss sich allen Körpertypen und -maßen anpassen) und auch eine Disziplinierung des verarbeiteten Materials (durch Falten, Nähte usw.). Es kann überprüft werden, wie der Körper Widerstand gegen diese Disziplinierung leistet und wie der Designer dies in seinen Schnittmustern festhält.
Schließlich präsentiert das MoMu das Werk der Künstlerin Nicole Tran Ba Vang als surrealistische Illustration eines Schnittmusters zur Disziplinierung. Körper und Kleidungsstück fallen in ihren Fotos ineinander und schaffen so eine entfremdende Silhouette. Der Körper wird hier zur ultimativen Entwurfsfläche. Das Endergebnis zeigt aber auch das Paradox und die Unmöglichkeit dieses Unterfangens.
Die ausgestellten Kleidungsstücke, die Schnittmuster, die Tonfragmente und die Fotos von Nicole Tran Ba Vang geben eine Übertragung und Interpretation dieses Körpers von unterschiedlichen Blickwinkeln aus.

Schnittmuster und Objekte von: Haider Ackermann, Azzedine Alaïa, Balenciaga, Veronique Branquinho, Pierre Cardin, Hussein Chalayan, Courrèges, Ann Demeulemeester, Dior Haute Couture, Sevin Doering, Angelo Figus, Jean Paul Gaultier, Romeo Gigli, Hubert de Givenchy, Christian Lacroix, Maison Martin Margiela, , Josephus Thimister, Walter Van Beirendonck, Dirk Van Saene, A.F. Vandevorst, Patrick Van Ommeslaeghe, ,, Yohji Yamamoto und Yves Saint Laurent . 
Szenografie: Bob Verhelst

Katalog

Der begleitende Ausstellungskatalog zeigt neben Fotomaterial der ausgestellten Stücke auch Schnittmuster und technische Zeichnungen.
Patronen - Patterns /  Debo, Kaat (Ed.). – Gent: Ludion, 2003. – 112S.
ISBN 90-5544-455-3
(Niederländisch/Englisch)